29. January 2009
alternative alternativen
ein leben lang rennt unsereins durch die gassen, straßen, hallen, häuser, welten auf der suche nach: alternativen. dabei haben wir stets nur ein ziel vor augen: die alternative soll mindestens genauso gut sein, wenn nicht sogar besser, schneller, bunter, oder einfach nur das ersetzen, was wir verloren haben. meistens befinden sich suchende dann in solch einem zustand, dass sie alles um sich herum mitreißen könnten, verzweifelt durch den alltag strudeln, den rest vergessen.
egal, ob der lieblingsklamottenladen, der vor dem bankrott steht und geschlossen wird, ob das bio-gemüse, das aldi aus dem sortiment genommen hat, ob der lieblingsradiosender, der auf einmal spurlos verschwindet. unser leben ist gepflastert von solchen momenten, in denen wir eigentlich einfach nur denken, wie konnte das passieren, und warum ist es passiert?
und manchmal kommt es dann so weit, dass man der realität blickkontakt gewährleisten muss und man verstehen muss, dass der lieblings-frischkäse, seit mehreren monaten wöchentlich in mengen konsumiert mit dem kleinen emblem “nur für kurze zeit” dann letztendlich irgendwann abgesetzt wird. bis es jedoch soweit ist, leben wir unbeschwert weiter, machen uns nicht auch noch gedanken über die dinge, die wir einmal verlieren könnten, wenn wir sie noch haben.
anders sieht es da aus bei einem menschlichen gegenüber, geplagt von überlegungen, die fast alle beginnen mit » was wäre wenn … «, wird das soziale dasein gerne mal auf die probe gestellt. realtitätsbezug ist nicht vorhanden, zumindest solange nicht, bis es dann irgendwann mal soweit ist und die bombe einschlägt. oder zumindest der baum fällt. der reifen platzt. der winter kommt. oder - ach, was weiß ich.
und dann beginnt die ewige suche. nach substituten, nach einem ersatz, nach alternativen. das, was die ewige suche so ewig macht, ist eigentlich recht einfach zu erklären: ein gefühl, eine alltäglichkeit, ein zustand, an den man sich so gern so lange gewöhnt hat, hat sich gewandelt, ist verschwunden, verpufft oder einfach in dieser form nicht mehr da. ob dies nun der verlust eines menschen, verschwinden des lieblingsschuhs aus dem adidas-sortiment oder ganz banal die scheinbare verbesserung des lieblingskaugummis, der nun nach diesem qualitätspush mehr nach sonntagmorgen-mundgeruch als nach “atemberaubende[r] frische” schmeckt - egal, was: eine sache zu verlieren, die man lieb gewonnen hat, ist mitunter die größte angst, die einen jeden menschen früh morgens begrüßt und abends als letzte gute nacht sagt. ich möchte mit hiermit nicht auf globale paranoia hinweisen oder dazu aufrufen; es geht vielmehr um das allterunterste bewusstsein, dass alles ein ende hat (oh mein gott, der spruch mit der wurst war schon langweilig, bevor er das erste mal ausgesprochen wurde).
und wie schaffen wir es dann tagtäglich, dieses unterbewusstsein ganz bewusst zu unterdrücken? die antwort: es exisitert in der form einfach nicht, da der optimistische stets mit dem gedanken aufsteht, es wird schon heute nicht passieren - und selbst wenn es passiert, hab’ ich noch genug, das mich aufbaut, auffängt, erfreut; ich werd’ schon irgendwas finden. und genau das ist es, das wiederfinden, dass uns, wenn man einer gegebenheit adieu sagen muss, wenn wir es verlieren, soviel zeitaufwand und mühe bereitet. dabei werden wir als suchende alle auf wundersame weise nie den einen gedanken verlieren: ich brauch was anderes. oder eben wieder genau das gleiche.



31. January 2009 um 17:23
ich brauch was anderes.
2. February 2009 um 14:47
[…] Zum Zweiten: Es gibt nur wenige Leute, die gut schreiben können, meine Wenigkeit gehört nicht dazu. Diese wenigen Leute schreiben in der Regel auch in langen zeitlichen Abständen. Alle paar Wochen, Monate, liest man mal was. Aber dann ist es äußerst lesenswert. tino bringt hier einen Sachverhalt so genau und dabei so … und hier fehlen mir die passenden Adjektive, lest einfach selbst, es lohnt sich definitiv! […]